Unser Newsletter informiert regelm√§√üig √ľber Veranstaltungen und Ausstellungen im Museum Lichtenberg. Tragen Sie sich¬†‚Üí hier ein.

Ihre Email-Adresse wird ausschließlich zum Zweck von Hinweisen zum Programm des Museum Lichtenbergs verwendet. Diese Daten behandeln wir vertraulich und geben sie nicht an Dritte weiter.

Podiumsdiskussion | 4. März 2019, 19:00 Uhr

TALKSHOW AUS DER ZUKUNFT: SOLIDARISIERT EUCH! 1919 - 2019 - 2039

 

In der Revolution ging es zun√§chst um Frieden und Brot. Dann um Demokratie. Als es schlie√ülich um Verteilungs- und damit um die eigentlichen Machtfragen ging, zerbrach die revolution√§re Bewegung und konnte brutal niedergeschlagen werden. Die M√§rzk√§mpfe 1919 markieren damit¬† das blutigste Kapitel der Revolution in der Hauptstadt, aber auch im gesamten Deutschen Reich kam es immer wieder zu Aufst√§nden, die meist mit massiver Gewalt niedergeschlagen wurden. Ausl√∂ser waren Forderungen nach weitergehenden Reformen, etwa nach Sozialisierung und Verbesserung der Situation der Arbeiter*innen oder einer Demokratisierung der durch die Revolution kaum ver√§nderten kaiserlichen Verwaltungsstrukturen. Nachdem die Monarchie gest√ľrzt war, ging es jetzt um die Konfrontation mit dem b√ľrgerlich-kapitalistischen System.

Trotz der Tatsache, dass an den Grundfesten der marktwirtschaftlich-kapitalistischen Ordnung heutzutage kaum noch ger√ľttelt wird, ger√§t die Ausrichtung der Politik an den Bed√ľrfnissen des Marktes auch heute wieder zunehmend unter Druck. Die Frage, wie wir arbeiten und damit wie wir leben wollen, gewinnt aufgrund von potentiellen Jobverlusten durch Digitalisierungsprozesse und zunehmend absurden Einkommens- und Verm√∂gensungleichheiten auch 2018 wieder an politischem Gewicht. Es stellen sich weiterhin Fragen nach Umverteilung und bedingungslosem Grundeinkommen, aber auch nach Formen zuk√ľnftiger Arbeitsk√§mpfe.

Wenn 100 Jahre nach der Einf√ľhrung des Achtstundentages, die eine zentrale Errungenschaft der Revolution war, wieder gegen 60-Stundenwochen demonstriert wird, was sagt das √ľber den Stand der Dinge? Wenn neue Studien besagen, dass die Einkommensungleichheit in Deutschland auf dem Stand von 1913 ist, was sagt uns das √ľber die Idee gesellschaftlichen Fortschritts? Kommt der n√§chste Krieg oder die n√§chste Revolution? Welche Form der betrieblichen Mitbestimmung br√§uchte es heute, um Arbeitnehmerrechte zu verteidigen? Was bedeutet der Sozialisierungsparagraph im Grundgesetz, der dem Staat theoretisch erm√∂glicht,¬† Privateigentum zum Wohl der Bev√∂lkerung zu verstaatlichen? Wie utopisch ist das bedingungslose Grundeinkommen eigentlich noch?

Mit Adrienne Goehler, Ralf Hoffrogge (Deutsche Wohnen enteignen), Britta Ohm (Koordinationskreis Netzwerk Gute Arbeit in der Wissenschaft)  und Dirk Linder (IG Metall)

Moderation: Christine Watty, Deutschlandfunk Kultu

Adrienne Goehler ist Publizistin und Kuratorin und war von 1989 bis 2001 Pr√§sidentin¬†der Hochschule f√ľr bildende K√ľnste Hamburg.¬†Von 2001 bis 2002 war sie Berliner Senatorin und anschlie√üend bis 2006 Kuratorin des Hauptstadtkulturfonds. Seit 2006 ist sie freie Kuratorin und Autorin.¬†2018 - 19 √ľbte sie einen Fellowship am Institute for Sustainability¬†Studies in Potsdam aus. Au√üerdem ist sie¬† Aufsichts- und Stiftungsr√§tin¬†in einer Vielzahl von wissenschaftlichen und kulturellen Einrichtungen.

Dr. Britta Ohm studierte Politische Wissenschaft, Geschichte und Visuelle Kommunikation in Hamburg, Berlin und London und promovierte in Vergleichender Kultur- und Sozialanthropologie.¬†Sie war Drehbuchautorin und -beraterin (u.a. ‚ÄöKleines Fernsehspiel‚Äė/ZDF) und arbeitete viele Jahre beim Fernsehen (DW, vor allem Schnitt). Seit den 1990er Jahren forscht sie zu Medien, Religion und Politik in Indien und der T√ľrkei. Sie lehrte an den Universit√§ten Heidelberg, Frankfurt/Oder, Z√ľrich, Bern und Jamia Millia Islamia (Delhi). Zurzeit lehrt sie an der privaten Hochschule der popul√§ren K√ľnste (hdpk) in Berlin (auf Honorarvertr√§gen) und ist Research Fellow am International Institute for Asian Studies in Leiden/Niederlande. Seit 2005 war sie immer wieder auf Hartz IV, u.a. um die Promotion fertig zu stellen, immer dann, wenn Drittmittelprojekte oder Stipendien ausliefen und w√§hrend der Alterspflege ihrer Mutter. Mit NGAWiss engagiert sie sich f√ľr eine grundlegende Reform des Hochschulwesens, das heute - unter der Rhetorik von ‚ÄöExzellenz‚Äė - regelhaft auf befristeten Vertr√§gen und massenhaft unbezahlter Lehre beruht, was eine materielle Prekarisierung der Wissenschaftler*innen und eine geistige Verarmung der Institution nach sich zieht.

Ralf Hoffrogge ist im Hauptberuf Historiker. Seit 2014 arbeitet er im Institut f√ľr Soziale Bewegungen der Ruhr-Universit√§t Bochum an einem Habilitationsprojekt mit dem Titel "Arbeit in der Krise - Gewerkschaftliche Krisendeutungen und Krisenpolitik in Deutschland und Gro√übritannien".¬†Nach Feierabend ist er in der stadtpolitischen Bewegung aktiv. Er sammelte etwa 2015 Unterschriften f√ľr den Berliner Mietenvolksentscheid, aktuell engagiert er sich in einem neuen Volksentscheid f√ľr die Sozialisierung der "Deutsche Wohnen SE" und anderer b√∂rsennotierter Wohnungsunternehmen.

Dirk Linder hat den Beruf des Energieger√§teelektronikers bei Osram in Berlin gelernt und arbeitete dort bis 1997 als Schicht-Elektriker in der Maschineninstandhaltung. Von 1990 bis 2007 war er Betriebsratsmitglied bei Osram. Seit 1996 engagierte er sich in der IG Metall Berlin. Von 2007 bis 2009 wirkte er im Europ√§ischen Betriebsrat von Siemens mit und engagierte sich anschlie√üend in der internationalen Gewerkschaftsvernetzung der Friedrich-Ebert-Stiftung. Seit 2011 arbeitet er f√ľr die IG Metall als Koordinator des globalen gewerkschaftlichen Netzwerks bei Siemens.


In Kooperation mit Kulturprojekte Berlin

Veranstaltungsort: Revolutionszentrum Podewil, Klosterstraße 68, 10179 Berlin

Anmerkungen: Die Veranstaltung ist kostenlos! Teilnehmerzahl begrenzt

DIese Veranstaltung ist Teil des Begleitprogramms der Ausstellung "Schie√übefehl f√ľr Lichtenberg"