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1943 ermordeten die Nationalsozialisten viele aktive Gegner ihrer Ideologie, nach denen unter anderem auch in Lichtenberg Straßen und PlĂ€tze benannt sind. Wir erinnern in den folgenden Monaten mit Kurzbiografien an diese Antifaschist*innen.

Wilhelm Guddorf – Journalist, Herausgeber, Übersetzer

20. February 1902 - 13. Mai 1943

Geboren am 20. Februar 1902 in Melle bei Gent/Belgien, wuchs Wilhelm Guddorf als Sohn eines UniversitĂ€tsprofessors in einer katholischen Familie auf. Der Vater sah die Zukunft seines Sohnes im Priesteramt. Doch der Hochbegabte studierte Sprachen, Geschichte und Literatur in MĂŒnster, Leyden und Paris. Schon auf dem Gymnasium waren seine sprachlichen FĂ€higkeiten aufgefallen und bald beherrschte er fast alle westeuropĂ€ischen und slawischen sowie eine Reihe weiterer Sprachen. Andere Studien galten der Volkswirtschaft sowie der Musik- und Kunstwissenschaft. Er verlegte seinen Wohnort von Belgien nach OsnabrĂŒck und trat nach ersten Kontakten wĂ€hrend seines Studiums mit der kommunistischen Theorie 1922 in die KPD ein. 1924-25 wurde er Redakteur der „Freiheit“ und des „Rhein-Ruhr-Pressedienstes“ der KPD. 1925-26 geriet er in mehrmonatige Haft.

Als Mitarbeiter der „Roten Fahne“, leitete Guddorf in Berlin von 1927 bis 1932 das außenpolitische Ressort des KPD-Zentralorgans und veröffentlichte außenpolitische Artikel, Essays und historische Abhandlungen unter dem Pseudonym Paul Braun, das er sich in den RuhrkĂ€mpfen zugelegt hatte. Im Sommer 1932 schied er wegen parteiinterner Differenzen aus der Redaktion aus und arbeitete als Übersetzer. Ab 1933 war Wilhelm Guddorf illegal fĂŒr die KPD tĂ€tig, wurde am 22. MĂ€rz 1934 wegen illegaler Verbreitung der „Roten Fahne“ verhaftet und am 17. Juli 1934 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach StrafverbĂŒĂŸung in Luckau schloss sich eine Internierung im KZ Sachsenhausen an. Im Lager setzte er seine politische Arbeit mit Schulungen und Diskussionen fort. Seiner Freilassung im April 1939 folgte eine Anstellung in einer wissenschaftlichen Buchhandlung in. Dort lernte er Eva-Maria Bruch kennen, die ihn in seiner illegalen Arbeit unterstĂŒtzte. Durch den Kontakt zu Freunden von Haftkameraden und ehemaligen redaktionskollegen entstanden illegalen Verbindungen zu Berliner und Hamburger Hitlergegnern. Zu ihnen gehörten u.a. Robert Uhrig, Bernhardt BĂ€stlein, John Sieg und Walter Husemann. Auch mit Harro Schultze-Boysen arbeitete er eng zusammen und verfasste mit ihm die Studie „Die wirtschaftlichen Grundlagen des nationalsozialistischen Deutschlands“.

Wilhelm Guddorf verfasste darĂŒber hinaus Flugschriften, arbeite als Übersetzer fĂŒr die illegale Zeitschrift „Innere Front“, eine Widerstandszeitschrift die in fĂŒnf Sprachen erschien und von der er einer der Herausgeber war. Am 15. Oktober 1942 verhaftete ihn die Gestapo im Zusammenhang mit dem Fahndungsvorgang „Rote Kapelle“. In der illegalen Arbeit dieser Organisation war er einer der fĂŒhrenden Köpfe. Am 3. Februar 1943 verurteilte ihn der 2. Senat des Reichskriegsgerichts zum Tode. Unter den vielen zum Tode Verurteilten befand sich auch Eva-Maria Bruch. Wie fast alle Festgenommenen war er in der Haft gefoltert worden, um GestĂ€ndnisse zu erpressen.

Wilhelm Guddorf wurde am 13. Mai 1943 in Berlin-Plötzensee ermordet.