Unser Newsletter informiert regelmĂ€ĂŸig ĂŒber Veranstaltungen und Ausstellungen im Museum Lichtenberg. Tragen Sie sich → hier ein.

Sonntag, 25. September -  Freitag, 30. Dezember 2011

Das Mosaik von Hannes Hegen. Abenteuer Wissenskosmos

von Moritz Götze und Peter Lang

Das Mosaik von Hannes Hegen erschien in 223 Heften von 1955 bis 1975. Die Auflage begann bei 100.000 und endete mit 660.000 Exemplaren.
Die Ausstellung stellt diesen außergewöhnlichen Comic in Originalheften mit seinen Quellen und BezĂŒgen in großer Breite vor. Als Besonderheit darf man in zahlreichen Reprintheften ausfĂŒhrlich blĂ€ttern und schmökern. Ein Film mit Interviews und einer aktuellen Umfrage zum Mosaik, Modelle und vieles mehr bereichern die Ausstellung. AusgewĂ€hlte Comics aus den BeneluxlĂ€ndern, wie Tim und Struppi, der gerade seinen 80. Geburtstag feierte, oder Spirou und Fantasio liegen zum Lesen bereit und dienen zum Vergleich.

Das Mosaik war einzigartig und besaß eine grandiose PopularitĂ€t in allen Schichten der Bevölkerung. Im Westen des Landes nahezu unbekannt, ist das Mosaik heute noch im Ostteil der Bundesrepublik allgemein beliebt. Man identifizierte sich in besonderem Maße mit den drei HandlungstrĂ€gern der Geschichten, die ĂŒber zwanzig Jahrhunderte hinweg durch Zeit und Raum fĂŒhrten. Der Comic wurde jeden Monat sehnsĂŒchtig an den Zeitungskiosken erwartet und war immer gleich ausverkauft. Ihn zu lesen und mit seinen Protagonisten mitzufiebern war fast schon wie eine Emigration von der sozialistischen AlltagsrealitĂ€t ĂŒber die Mauern hinweg. Lange vor Asterix stellte das Mosaik Rom mit seinem Zirkus Maximus und seinen Legionen vor. Man begegnete den Dogen in Venedig und flog mit Raumschiffen auf fremde Planeten. Saurier und Urgeschichte kamen genauso vor wie die Dampfmaschinen James Watts. Unterhaltsam, spannend und witzig wurde Geschichte und Technik in turbulenten Abenteuern vermittelt. Das Ă€sthetische Bildprogramm und die Texte waren hochqualitativ und beeinflussten viele heute bekannte KĂŒnstler, vor allem Maler, aus der ehemaligen DDR.

Bei der erstaunlichen Auflage ist es ein Paradox, dass man die Hefte nie am Kiosk bekam. NatĂŒrlich sammelte man sie, in welchem Zustand auch immer, tauschte weiland seine Matchboxsammlung oder gar seine Freundin dagegen und hĂŒtete sie wie seinen Augapfel.

Was nicht auftauchte, waren Pioniere mit blauen oder roten HalstĂŒchern und politische Propaganda. Mehrfach sollte das Mosaik verboten werden, aber es hatte zwanzig Jahre lang Bestand. Im RĂŒckblick fast nicht vorstellbar, war das Mosaik durch alle KĂ€mpfe hindurch eine propagandafreie Insel im Meer des realexistierenden Sozialismus. Das Mosaik erschien im Dezember 1955 an den Kiosken der DDR wie eine Fata Morgana im Kalten Krieg. Sein erster Titel war "Auf der Jagd nach dem Golde" und spielte im Orient. Und das in 100.000 Exemplaren! Im Nachhinein einfach unglaublich.
Das Entschwinden von Dig, Dag und Digedag 1975 auf der RĂŒckseite des letzten Heftes in den Orient, in eine orientalische Fata Morgana, war dann ein herber Verlust. Man verlor Freunde und stand bildlich gesprochen wieder allein im real existierenden Sozialismus.

Eröffnung: 25.09.11, 15 Uhr

Einladung mit weiteren Informationen (PDF; 1,5 MB)

Einladungskarte_Hannes Hegen

← zurĂŒck zur Übersicht »Ausstellungen zu Personen«

← zurĂŒck zur Übersicht »Ausstellungen zu Dingen«

← zurĂŒck zum Ausstellungsarchiv