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Sonntag, 27. Januar - Freitag, 7. März 2008

Ausstellung "Judendeportationen" 1941-1945 - Erinnern für die Zukunft

Eröffnung 15 Uhr

"Judendeportationen" 1941-1945

Mindestens 6 Millionen jüdische Menschen in Europa wurden Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns. Die staatliche Eisenbahn war eine von vielen Verwaltungen, welche die antisemitische Politik des nationalsozialistischen Deutschlands umsetzte. Die von Alfred Gottwaldt erarbeitete Ausstellung des Deutschen Technikmuseums veranschaulicht die Rolle der Deutschen Reichsbahn bei der Deportation von etwa 50 000 jüdischen Bürgern aus Berlin und Umgebung in den sicheren Tod in die Vernichtungslager und Ghettos von Oktober 1941 bis Anfang 1945. Nur wenige haben überlebt. Dokumentiert sind 180 „Judentransporte” und einzelne Deportationsziele. Die qualvoll eng gefüllten, verplombten und vergitterten Waggons gingen von der Vorortstation Grunewald und dem Güterbahnhof Moabit ab. Dort sind heute Mahnmale errichtet. Die Mehrzahl der Transporte nach Theresienstadt wurde am Anhalter Personenbahnhof abgefertigt.

Das Unfassbare der nationalsozialistischen Verbrechen wird am Beispiel von 12 Einzelschicksalen geschildert. Sie nehmen in der Ausstellung einen zentralen Platz ein. Bürger wurden “als Juden” gebrandmarkt aus ihrem Leben und ihren Familien herausgerissen, deportiert und ermordet. Einer von ihnen war Gerd Rosenthal, deportiert mit dem “21.Transport nach Riga” am 19. Oktober 1942. Sein älterer Bruder Hans Rosenthal überlebte in einem Versteck in Lichtenberg. Gertrud Käte Chodziesner, als Dichterin unter dem Namen Gertrud Kolmar bekannt, musste bei Epeco in der Herzbergstraße Zwangsarbeit verrichten. Nach der so genannten Fabrikaktion wurde sie am 2. März 1943 mit dem “32. Osttransport” nach Auschwitz eingeliefert. Auch sie hat das Konzentrationslager nicht überlebt.

Erinnern für die Zukunft
In einer vom Museum Lichtenberg konzipierten weiteren Austellungseinheit wird die jüdische Bevölkerung Lichtenbergs (in den heutigen Bezirksgrenzen) ins Gedächtnis gerufen, die den Holcaust nicht überlebte. Lichtenberg zählte nicht zu den Ballungsgebieten jüdischen Lebens, aber auch hier waren jüdische Nachbarn geachtete Bürger, die sich am Aufbau der Kommune beteiligten und den wirtschaftlichen Aufschwung förderten. Das änderte sich schlagartig 1933 mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Über die Bekämpfung und Ausschaltung politischer Gegner hinaus richtete sich der Terror des NS-Staates vor allem auf die Isolierung, Vertreibung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung, den „rassenpolitischen Hauptfeind".
 
Die Zahl der ermordeten Lichtenberger Juden lässt sich heute nicht mehr genau bestimmen, doch konnten anhand von Quellen und Gedenkbüchern über 300 Namen ermittelt werden. Hinter jedem Schicksal steht eine menschliche Tragödie. Die nüchternen Aufzählungen in den Listen der Transporte verzeichnen eine Reihe von Familien mit Kindern und Hochbetagten aus Lichtenberg. Anfangs wurden sie 1941 mit einem der 60 Massentransporte in die Ghettos von Litzmannstadt (Lódz), Kowno (Kaunas), Riga, Warschau, Minsk, nach Maly Trostinec bei Minsk, Reval im Baltikum und verschiedene Orte im Distrikt Lublin verschleppt. Seit Ende 1942 war zunehmend Auschwitz-Birkenau das Ziel der Todeszüge. Über 65 Jahre alte Menschen aus Berlin wurden ab Juni 1942 in 120 Transporten zunächst in das so genannte Altersghetto Theresienstadt deportiert. Hier überlebten sie die elenden Verhältnisse nicht oder sie wurden weiter in die Vernichtungsstätten im Osten transportiert.

Die Ausstellung wendet sich an alle Generationen. Sie soll das Wissen über die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und ihre einzigartigen Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung und an anderen ethnischen Minderheiten wach halten und sie appelliert gegen Gleichgültigkeit und gegen die Verdrängung des furchtbaren Geschehens. Die Erinnerung an die Opfer darf nicht enden. Das Museum Lichtenberg hat sich die Aufgabe gestellt, alljährlich zum Tag des Gedenkens am 27. Januar die Dokumentation der Opfergruppe jüdischer Menschen aus dem Bezirk fortzusetzen.

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