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Carl August Georg Scharnweber

Preu├čischer Politiker, Landrat des Kreises Niederbarnim, von 1841 bis 1873 Besitzer des Gutes Hohensch├Ânhausen

Carl August Georg Scharnweber wurde am 17. April 1816 in Berlin geboren. Sein Vater war der k├Âniglich preu├čische Staatsrat Christian Friedrich Scharnweber, seine Mutter dessen zweite Ehefrau Marie Christine geb. Sch├╝ler-Baudesson. Georg blieb der einzige Sohn des Ehepaares. Christoph Friedrich Scharnweber war als preu├čischer Staatsbeamter ein enger Mitarbeiter des Staatskanzlers Hardenberg und Mitglied des Staatsrates. In dieser Funktion hatte er nicht nur an der Erarbeitung der Stein-Hardenbergschen Reformen mitgewirkt, sondern sich auch aktiv an der Neuordnung der preu├čischen Verwaltung beteiligt.

Georg Scharnweber war gerade sechs Jahre alt, als der Vater starb. Von da an widmete sich die Mutter der Erziehung des Sohnes. Ein Hauslehrer breitete ihn auf den Besuch des Gymnasiums vor, und im Jahr 1834 legte er seine Reifepr├╝fung am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Berlin ab. Georg Scharnweber wollte es seinem Vater gleichtun und entschied sich f├╝r den Verwaltungsdienst. Darum begann er am 12. Oktober 1834 an der Berliner Friedrich Wilhelm Universit├Ąt ein Studium der Jurisprudenz und Kameralistik. (Kameralistik ist die Wissenschaft von der staatlichen Verwaltung und Volkswirtschaftspolitik)

Nach sechs Semestern bestand er am 8. September 1837 das erste juristische Examen zum Kammergerichtsauskultator. Am 21. September 1837 wurde er beim Berliner Stadtgericht vereidigt. (Der Auskultator war zu diesem Zeitpunkt in Preu├čen die erste Stufe der Ausbildung in der Justiz nach der Universit├Ąt. Nach bestandener Pr├╝fung und Vereidigung wurde man zum B├╝rodienst in der Justizverwaltung zugelassen.)

Als Auskultator durchlief Georg Scharnweber alle Abteilungen des Justizwesens. Wegen gesundheitlicher Probleme wurde er vom Milit├Ąrdienst freigestellt. So konnte Scharnweber sich f├╝r drei weitere Semester an der Friedrich Wilhelm Universit├Ąt einschreiben, wobei er den Schwerpunkt auf die Kameralistik legte. In Vorbereitung auf das zweite juristische Examen besuchte er auch Vorlesungen zur Sozial├Âkonomie, zur Verfassung der preu├čischen Monarchie und zur Polizeiwissenschaft. Das zweite juristische Examen legte er am 15. Februar 1840 ab, und am 8. Mai 1840 wurde er zum Kammergerichtsreferendar ernannt.

Seinem Wunsch, als Referendar bei der Regierung in Potsdam angestellt zu werden, entsprach man. Am 11. August 1840 erfolgte seine Einf├╝hrung in das Regierungskollegium. In den folgenden zwei Jahren durchlief er alle Regierungsabteilungen erfolgreich. Er galt als flei├čiger, umsichtiger und gr├╝ndlicher Beamter. Seine Vorgesetzten attestierten ihm gute Gesetzeskenntnisse und Urteilskraft. Dies war Voraussetzung f├╝r den Schritt, den er nun tat. Er bewarb sich um den freien Posten des Landrates im Kreis Niederbarnim in der Provinz Brandenburg.

In einem komplizierten Wahlverfahren konnte sich Georg Scharnweber als einer von drei Kandidaten durchsetzen. Trotz einiger Bedenken hatte er auch die Unterst├╝tzung des Ober- und Regierungspr├Ąsidenten von Meding, und letztlich schloss sich auch der K├Ânig bei seiner Entscheidung dieser Meinung an. Neben seiner pers├Ânlichen und beruflichen Eignung zum Landrat von Niederbarnim hatte Georg Scharnweber zudem durch seinen Grundbesitz eine enge Bindung zu diesem Landkreis, was letztlich entscheidend f├╝r seine Wahl war.

Bereits im Jahr 1804 hatte sein Vater Obligationen auf das verschuldete Gut Hohensch├Ânhausen im Wert von 12.000 Talern erworben. Im Jahr 1812 wurde das Gut wegen der hohen Schuldenlast unter Zwangsverwaltung gestellt. Einer der beiden Verwalter wurde Friedrich Scharnweber, der zweite war der Bankier Liepmann Meyer-Wulff. Nach dessen Ableben gingen die Obligationen an Scharnweber, der sie auf den Namen seiner Frau Marie Christiane umschreiben lie├č. Durch diesen Schritt wurde sie Gl├Ąubigerin und konnte das Gut im April 1817 ersteigern. Nach dem Tod des Staatsrats Scharnweber im Jahr 1822 wurden seiner Witwe sowohl der Besitz als auch die Schuldenfreiheit des Gutes rechtskr├Ąftig best├Ątigt.

Am 4. Mai 1841 hatte sie es dann ihrem Sohn Georg geschenkt. Dieser Grundbesitz war die ausschlaggebende Bedingung daf├╝r, dass Georg Scharnweber Landrat des Kreises Niederbarnim werden konnte. Seine Ernennung dazu erfolgte am 29. Oktober 1842. Zwei Dinge machten dies zu etwas besonderem: Zum einen war er der erste B├╝rgerliche, der dieses Amt seit seiner Einf├╝hrung im Jahr 1702 inne hatte, bis dahin gab es immer nur adlige Landr├Ąte. Zum anderen war Georg Scharnweber mit 26 Jahren der j├╝ngste Landrat des Kreises Niederbarnim zwischen 1816 und 1944.

Am 1. Januar 1843 trat Georg Scharnweber das Amt des Landrates an. Sein Amtssitz befand sich, wie der seiner Vorg├Ąnger, in Berlin. Zun├Ąchst in der Markgrafenstra├če 47, ab 1861 in der Charlottenburgerstra├če 42 und ab 1863 bis zum Ende seiner Dienstzeit in der Kochstra├če 24.

Die ersten Jahre seiner Amtszeit waren dadurch gekennzeichnet, dass nur sp├Ąrliche finanzielle Mittel vorhanden waren. Die Landkreise litten immer noch unter der Schuldenlast der napoleonischen Befreiungskriege. Das wenige vorhandene Geld setzte der neue Landrat haupts├Ąchlich f├╝r die St├Ąrkung der Infrastruktur ein, in erster Linie f├╝r den Stra├čenbau. Besonders wichtig waren ihm die Verbindungen von den wenigen industriellen Standorten nach Berlin.

In seine Amtszeit fiel auch die Verabschiedung der neuen Kreisordnung im Jahr 1872. Diese bildete nicht nur den gesetzlichen Rahmen, sondern war auch die finanzielle Basis f├╝r seine Arbeit als Landrat. In dieser Position hatte er sich bereits ab 1862 an der Ausarbeitung dieses Gesetzeswerkes beteiligt. In den Vorschl├Ągen, die er selbst machte oder unterst├╝tzte, zeigte sich auch seine politische Einstellung. Vor allem in der Frage der Zusammensetzung des neuen Kreistages vertrat er einen Entwurf, der den Grundbesitzern mehr als die H├Ąlfte der Stimmen im Kreistag zusicherte. Auch als Mitglied des preu├čischen Abgeordnetenhauses, dem er von 1867 bis 1876 angeh├Ârte, vertrat er eher konservative Ansichten.

Doch in seiner Arbeit als Landrat f├╝hlte er sich haupts├Ąchlich der kommunalen Entwicklung seines Kreises verpflichtet. Dabei erforderten die Gr├╝ndung des Kaiserreiches und die damit verbundene industrielle Entwicklung eine neue Qualit├Ąt in der Verwaltungsarbeit. Wie schon zu Beginn seiner T├Ątigkeit, wurde Scharnweber auf dem Gebiet des Verkehrswesens aktiv. Verdienste erwarb er sich bei der Erweiterung des Stra├čen- und Schienennetzes und dem Bau von Br├╝cken, die bei den vielen Wasserl├Ąufen im Kreis notwendig waren.

Dar├╝ber hinaus nahm er sich dem Aufgabengebiet der Wohlfahrtspflege an. Durch das schnelle Anwachsen der Bev├Âlkerung gab es auch in seinem Kreis zunehmend soziale, hygienische und gesundheitliche Probleme, die es anzugehen galt. Georg Scharnweber engagierte sich in der Kurm├Ąrkischen Landesarmendirektion, deren Vorsitzender er von 1860 bis 1878 war. Im Gesundheitswesen f├╝hrte er die Anzeigepflicht f├╝r ansteckende Krankheiten ein und lie├č Krankenstatistiken f├╝hren. Er initiierte die obligatorische Leichenschau, um so die Todesursachen zu ermitteln. Ebenso f├╝hrte er ab 1876 die ├ťberwachung von Hebammen ein und schuf die Grundlagen f├╝r Impfungen im Kreis Niederbarnim zur Krankheitsprophylaxe.

F├╝r seine Verdienste wurde Georg Scharnweber anl├Ąsslich seines 50. Dienstjubil├Ąums im preu├čischen Staatsdienst mit dem Roten Adlerorden II. Klasse ausgezeichnet. Diese Ehrung ging auch auf die guten Beziehungen zur Krone zur├╝ck. Generell kann man sagen: Georg Scharnweber geh├Ârte zu den preu├čischen Beamten, die aus ihrer Treue zur Monarchie keinen Hehl machten. Dies kam u.a. auch in seiner huldvollen Dankesrede zur Ordensverleihung zum Ausdruck. Als Landrat war er bei der Bev├Âlkerung beliebt. So verlieh ihm die Stadt Bernau zu seinem 50. Dienstjubil├Ąum das Ehrenb├╝rgerrecht.

Es gab aber auch kritische Stimmen, die Unzul├Ąnglichkeiten in seiner Amtsf├╝hrung ansprachen. So r├╝gten seine Vorgesetzten, dass es nur wenige Erfolge beim Aufbau einer effektiven Leistungsverwaltung gab. Ebenso wirkten sich mangelnde finanztechnische Kenntnisse seinerseits negativ auf die Arbeit als Landrat aus.

Trotz dieser Unzul├Ąnglichkeiten entwickelte sich Niederbarnim w├Ąhrend Scharnwebers Amtszeit zu einem leistungsf├Ąhigen Agrarkreis, in dem auch die Industrie nicht zu kurz kam. Mit zunehmendem Alter fiel ihm die Verwaltung des Landkreises jedoch immer schwerer. Doch an eine freiwillige Amtsniederlegung dachte er nicht, eine Altersbegrenzung f├╝r Landr├Ąte war zu jener Zeit noch unbekannt.

Zum 1. Januar 1892 legte Georg Scharnweber schlie├člich, nach Gespr├Ąchen mit dem Regierungspr├Ąsidenten und dem Oberpr├Ąsidenten, das Amt des Landrats von Niederbarnim nieder. Damit endete seine 54j├Ąhrige T├Ątigkeit im preu├čischen Staatsdienst. Zum Abschied wurde er mit dem Stern zum k├Âniglichen Kronenorden II. Klasse geehrt. 48 Jahre lang war er in ein und demselben Kreis Landrat, f├╝r ihn war dies eine Lebensstellung. In der gesamten Provinz Brandenburg ├╝bte nur noch der Sorauer Landrat Rudolf von Lessing (1840-1888) eben solange dieses Amt aus.

Georg Scharnweber verstarb am 27. Oktober 1894 im Alter von 78 Jahren in Berlin.

Carl August Georg Scharnweber war verheiratet. Er ehelichte am 20. April 1848 Franziska Wernicke, die Tochter des Rittergutsbesitzers auf Hermsdorf bei Berlin. Seine Frau verstarb vor ihm, im Jahr 1863 im Alter von nur 33 Jahren. Am 22. Juli 1855 wurde in Berlin die Tochter Manon Pauline Auguste geboren. Sie heiratete sp├Ąter den Architekten Walter Gropius. Aus dieser Ehe gingen zwei T├Âchter und zwei S├Âhne hervor, darunter der bekannte Architekt und Direktor des Dessauer Bauhauses, Walter Adolph Georg Gropius.┬á

Zu seinen Ehren wurden in seinem ehemaligen Kreis und in Berlin mehrere Stra├čen nach ihm benannt. U.a. in den Berliner Ortsteilen Friedrichshain, Friedrichshagen, Obersch├Âneweide, Wei├čensee und Reinickendorf.

Foto: Fotosammlung Museum Lichtenberg

Quellen:

Claudia Wilke: Die Landr├Ąte der Kreise Teltow und Niederbarnim im Kaiserreich: Eine biographisch-verwaltungsgeschichtliche Studie zur Leistungsverwaltung in der Provinz Brandenburg, 1. Auflage, Potsdam, Verlag f├╝r Berlin-Brandenburg, 1998, S. 139ÔÇô158

Knut K├Ąpernick, Gunnar M├╝ller, Barbara Vogel: Preu├čische Reformer in Lichtenberg: Carl August von Hardenberg, Friedrich Scharnweber, 2012/2014 ISBN 978-3-00-045633-6

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(Stand: 01.03.2016)

 

Internet:

http://doksite.de/person/36795/Georg_Scharnweber.html

(Stand: 01.03.2016)