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Theodor Fontane (30.12.1819 - 20.09.1898)  - Bei seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg besuchte Fontane auch die ehemaligen Lichtenberger Dörfer Malchow, Friedrichsfelde, Falkenberg und    Hohenschönhausen.   

 

Theodor Fontane und seine Wanderungen nach Friedrichsfelde, Malchow und Falkenberg

 „Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen. Das hab ich an mir selbst erfahren und die ersten Anregungen zu diesen Wanderungen durch die Mark sind mir auf Streifereien in der Fremde gekommen. ...“

Dies geschieht, als Theodor Fontane von 1855 bis 1859 in London als Korrespondent arbeitet. Bei einer Fahrt über einen See in der schottischen Grafschaft Kinroß Schloss erscheint ihm Rheinsberg wie eine Fata Morgana und sein Entschluss reift, die Heimat zu durchqueren. Auch unsere einstigen Lichtenberger Dörfer Friedrichsfelde, Malchow und Falkenberg besucht der Schriftsteller, denn sie bieten ihm reichlich Erzählstoff und Bemerkenswertes über die Geschichte der Schlösser, Herrenhäuser und Kirchen. Er nimmt sie seinen IV. Band „Spreeland“ unter den Kapiteln „An der Spree“ und „Rechts von der Spree“ auf.

 Friedrichsfelde - "Charlottenburg des Ostends"

Ein Notizbuch ist sein ständiger Begleiter. Hier notiert er sich alle Geschichten und Begebenheiten. Am 18. Mai 1870 :„ um 3 Uhr nachmittags Ausflug nach Friedrichsfelde und über Nacht in Begleitung von Carl von Treskow“.

„Wen ein Sommernachmittag ausnahmsweise vor die Tore der östlichen Stadtteile, beispielsweise nach Friedrichsfelde, führt, dem werden sich daselbst in Landschaft und Genre die gefälligsten und in ihrer heitern Anmut vielleicht auch unerwartetsten Bilder erschließen. Friedrichsfelde darf als das Charlottenburg des Ostends gelten, und allsonntäglich wandeln hunderte von Residenzlern hinaus...“

 Über Prinz Ferdinands Leben in Friedrichsfelde (1762 bis 1785) notiert er: „Prinz Ferdinand, der jüngste Bruder des großen Königs, hatte von 1744 an in Ruppin residiert, wo das Regiment, das seinen Namen führte, in Garnison lag; von 1756 bis 1763 war er mit den andern Prinzen im Kriegslager gewesen....Der Hubertusburger Friede und der Erwerb von Friedrichsfelde fielen fast zusammen, und mit einer Art von Ausschließlichkeit gehörte der Prinz von 1763 bis 1785 diesem anmutigen Lustschloss an...Wir haben also, von dem siebenjährigen Kriegsinterregnum abgesehen, vier Epochen im Leben des Prinzen Ferdinand zu unterscheiden: Ruppin, Friedrichsfelde, Bellevue, Rheinsberg, von denen die Friedrichsfelder Epoche die wichtigste und längste ist.“ (Erstmalig veröffentlicht am 22.02.1871 im Wochenblatt des Johanniter-Ordens Balley Brandenburg) Fontanes Wanderungen müssten eigentlich Fahrten heißen, denn er benutzt die Eisenbahn, reist mit dem Linienwagen der Post. Über seine Wanderung nach Malchow lesen wir: „Eine Wanderung nach Malchow, so kurz sie ist, gliedert sich nichtsdestoweniger in drei streng geschiedene Teile: Omnibusfahrt bis auf den Alexanderplatz, Pferdebahn bis Weißensee, und per pedes apostolorum bis nach Malchow selbst...“

 Malchow - Eine Weihnachtswanderung

Das kleine Dörfchen Malchow wird durch Fontanes Geschichte über die „Weihnachtswanderung“ über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Am 18. Dezember 1878 unternimmt Fontane dorthin seine Wanderung und notiert: „Am 7. August 1704 verschied Paul von Fuchs, Geheimrat und Etatsminister, auf seinem Gute Malchow bei Berlin.…Der König pflegte ihn von dem nahe gelegenen Niederschönhausen aus häufiger auf diesem seinem Landsitze zu besuchen….Wer sich auf Urnen und Totenköpfe versteht und überhaupt nur ein Äderchen von einem Sammler oder Altertümler in sich hat, begreift, dass diese Notiz eine gewisse Malchow-Sehnsucht in mir wecken und eine Wanderung dahin zu einer bloßen Frage der Zeit machen mußte.“

Zu einem kleinen Geschichtsdokument des Alltags gerät die Beschreibung seiner Fahrt: „Alle Plätze voller Kinder mit Schulmappen auf den Rücken, und hinten und vorn im Wagen und vor allem obenauf ganze Büsche von Weihnachtsbäumen“. Bei seiner Ankunft wird die Begegnung mit dem Schulmeister zu einer Milieustudie. Der weist den Besucher harsch mit dem Verweis ab, die Gruft des Freiherrn von Fuchs sei zugeschüttet. Alle weiteren Überredungsversuche, die Stelle nur sehen zu wollen, scheitern. Fontane resümiert sarkastisch: „Mein erstes war ein heißes Dankgefühl dafür, zu keiner Zeit, am wenigsten aber in der jetzigen, auf einer Malchower Schulbank gesessen zu haben; mein zweites: Haß und Rache“. Sein Wunsch, den gesuchten Ort zu sehen, wird vom Pfarrer erfüllt. Freundlich bemüht wies der in die Luft und rief aus: „Hier war die Gruft…Hier war auch das Fuchssche Wappen… Es hatte durchaus etwas Gespenstisch - Visionäres, wie wenn Macbeth den Dolch sieht, und das bestimmt ausgesprochene ´hier´ ließ mich auf eine Sekunde ganz ernsthaft nach der Erscheinung suchen.“ Erstmals veröffentlicht in in der Zeitschrift „Der Bär“ vom 1. und 15. Januar 1879. Für die Buchausgabe wurde der Text allerdings später etwas verändert.

 Falkenberg

Aber auch das kleine Dörfchen Falkenberg findet bei Fontane Erwähnung, denn die Geschichte über Marie Elisabeth von Humboldt fand Fontanes großes Interesse, die, wie er berichtet, im Jahre 1795 anstelle des „hölzernen Kirchturms daselbst einen massiven Turm aufführen und festsetzte, dass der untere Teil desselben als Leichenhalle hergerichtet werde, worin die sterblichen Überreste der Mitglieder ihrer Familie beigesetzt werden könnten.“

 Hohenschönhausen

ist ein letzter, nur schriftlicher doch nicht erwanderter Verweis Fontanes auf die heutigen historischen Ortsteile von Lichtenberg. Er nennt Oberst Dietrich von Röbel auf Hohenschönhausen in einer Anmerkung, „…der, durch den sächsischen Kurfürsten Johann Georg III. mit Führung eines Regiments begnadigt, an der Spitze dieses Regiments vor Wien und Ofen war und unterschiedlichen Campagnen und Battalagen beiwohnte.´Des Krieges endlich müde zog er sich um 1690…auf sein väterliches Gut (Hohenschönhausen) zurück.“

 

Quellen:

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg – Spreeland, Grosse Brandenburger Ausgabe, Berlin und Weimar, 1994

Theodor Fontane- Stationen eines Lebens, Autor: Bettina Machner, Stapp Verlag Berlin,2012

                            

 

 

 

 Bildnachweis: Museum Lichtenberg