März 2016

Gedenktafel f√ľr Erich Ollenhauer an seinem ehemaligen Wohnhaus

Erich Ollenhauer
*27. März 1901 in Magdeburg; †14. Dezember 1963 in Bonn

115 Jahre (Geburtstag)

[Erich Ollenhauer wohnte bis zu seiner Emigration 1933 in der Karlshorster Trautenauerstraße 6]

Erich Ollenhauer, Sohn eines Maurers stammte aus einer kinderreichen Familie in Magdeburg. Nach Volksschule und kaufm√§nnischer Lehre in einer Druckerei sowie zwei kurzzeitigen Anstellungen wurde er Volont√§r bei der sozialdemokratischen Tageszeitung ‚ÄěVolksstimme‚Äú. 1918 trat Ollenhauer der SPD bei und wurde 1920 zweiter Sekret√§r beim Hauptvorstand des Verbandes der SPD-Jugendorganisation in Berlin. Ab 1928 Reichsvorsitzender des sozialdemokratischen Jugendverbands, w√§hlte man ihn im April 1933, kurz vor seiner Emigration, in den SPD-Parteivorstand. Anfang 1946 kehrte er nach Deutschland zur√ľck und wirkte an der Seite des Parteivorsitzenden Kurt Schuhmachers.

Als ‚Äěperfekte Nummer 2‚Äú √ľbernahm er nach dessen Tod 1952 die √Ąmter als Parteivorsitzender, Fraktionsvorsitzender und Oppositionsf√ľhrer. Grundsolide in seiner Arbeit blieben ihm Wahlerfolge im Schatten des Kanzlers und CDU-Vorsitzenden Konrad Adenauer verwehrt. Sein politisches Hauptverdienst war es, weite Teile der traditionellen SPD-Mitgliedschaft mit dem Godesberger Programm von 1959 in die programmatische und organisatorische Neuorientierung der SPD einzubeziehen. Mit dieser Ausrichtung einer vom klassenk√§mpferischen Sozialismus befreiten Partei konnten in der Folgezeit deren Wegbereiter Willy Brand, Fritz Erler und Herbert Wehner das Ziel der √úbernahme von Regierungsverantwortung in der Bundesrepublik Deutschland erreichen.

Drei Monate vor seinem Tod wurde Erich Ollenhauer zum Vorsitzenden der Sozialistischen Internationale gew√§hlt. Mit einem Staatsakt im Plenarsaal des Bundestages w√ľrdigte die Bundesrepublik Deutschland am 19. Dezember 1963 den scheinbar erfolglosen, tats√§chlich jedoch nur unscheinbaren SPD-Politiker, √ľber den Der Spiegel 2007 schrieb, seine prim√§re Begabung sei es gewesen, zweiter Mann seiner Partei zu sein.