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Person des Monats November

Johannes Hegenbarth - Zeichner und Graphiker, Vater der Digedags, lebte und arbeite von 1957 bis 2012 in Berlin-Karlshorst in der Waldowallee 15

 

 

Geboren wurde Johannes Hegenbarth am 16. Mai 1925 in B√∂hmisch- Kamnitz, im damaligen Sudetenland (heute Cesk√° Kamenice, Tschechien). Als Glasfabrikanten geh√∂rte die weit verzweigte Familie Hegenbarth zu den angesehenen Einwohnern des Ortes. In B√∂hmisch-Kamnitz besuchte Johannes auch die Schule. Nach seinen eigenen Aussagen war er ‚Äěsehr wissbegierig und hatte an allem Interesse‚Äú. Ein besonderes Talent entwickelte er aber f√ľr das Zeichnen. In der Verwandtschaft der Hegenbarths gab es bereits zwei K√ľnstler: den Tierzeichner Emanuel Hegenbarth (1868-1923) und den Zeichner und Buchillustrator Josef Hegenbarth (1884-1962). Doch zun√§chst dachte Johannes Hegenbarth, das Gesch√§ft der Familie zu √ľbernehmen und begann eine Lehre an der Glasschule in Steinsch√∂nau (heute Kamenicky Senov). Der Krieg √§nderte diese Pl√§ne, denn der Betrieb des Vaters konnte ihm nach Schulabschluss durch geringen Absatz an Glaswaren keine Arbeit bieten. So bewarb er sich mit Erfolg an der Reichshochschule f√ľr angewandte Kunst in Wien. Doch Arbeitsdienst und Wehrmacht durchkreuzten 1943 auch diese Pl√§ne. Im Mai 1945 kehrte er in seinen Heimatort B√∂hmisch-Kamnitz zur√ľck. Die Vertreibung der deutschen Bev√∂lkerung aus dem Sudetenland betraf auch ihn und seine Familie. Als Entwicklungszeichner und Glasmaler fand er in Ilmenau Arbeit. Von seinem Betrieb an die Kunstgewerbeschule in Leipzig delegiert, begann er im Fr√ľhjahr 1947 Gebrauchsgraphik zu studieren und wechselte sehr bald zur Akademie f√ľr Graphik und Buchkunst, mit dem Ziel, Illustrator zu werden. Hier zeigte sich Hannes Hegens besonderes Talent f√ľr die Karikatur. 1949 erschien in der Satirezeitschrift ‚ÄěUlenspiegel‚Äú erstmals eine Arbeit von ihm. Bei der 1946 gegr√ľndeten Zeitschrift ‚ÄěFrischer Wind‚Äú wurde er bald zum f√ľhrenden Karikaturisten. (‚ÄěFrischer Wind‚Äú erschien ab Mai 1954 als ‚ÄěEulenspiegel‚Äú). Aus dieser Zeit stammt auch die √Ąnderung seines Namens in Hannes Hegen, um sich von zwei seiner Gro√üonkel ‚Äď dem Tierzeichner Emanuel Hegenbarth (1868-1923) sowie dem Zeichner und Buchillustrator Josef Hegenbarth (1884-1962) ‚Äď als K√ľnstler zu unterscheiden. Die ‚ÄěNeue Berliner Illustrierte‚Äú (NBI), die ‚ÄěDeutsche Lehrerzeitung‚Äú, das ‚ÄěMagazin‚Äú und die ‚ÄěWochenpost‚Äú waren bald weitere Auftraggeber. F√ľr die ‚ÄěWochenpost‚Äú entwarf er den Schriftzug, unter dem sie mehr als 40 Jahre erschien. Es entstanden erste kleine Comic-Geschichten und mit dem Rumpelm√§nnchen seine erste Comic-Figur, das als Symbol-Figur f√ľr die Altstoffsammlungen in der DDR diente. Anfang 1955 tauchten erstmals die drei Kobolde Dig, Dag und Digedag auf. Das Heft Nummer 1 erschien im Dezember 1955. Der Name ‚ÄěMosaik‚Äú von Hannes Hegen wurde zu seinem Markenzeichen. Um ihn herum entstand ein ganzes Mosaik-Kollektiv. Es arbeitete in der Waldowallee 15 , die gleichzeitig sein Zuhause wurde. Zu den Mitarbeiterinnen, die sich auf eine Annonce des Verlages hin bei ihm bewarben, geh√∂rte auch seine zuk√ľnftige Ehefrau Edith Szafranski. Die gelernte Kost√ľm- und B√ľhnenbildnerin wurde zu einer der wichtigsten St√ľtzen bei der Arbeit am ‚ÄěMosaik‚Äú. Sie entwarf eine Vielzahl der Figuren, die hier auftraten, es wurden mehr als 3.000. Das Mosaik-Kollektiv war recht schnell gewachsen. Zwischen 1958 und 1962 arbeiteten bis zu 15 Mitarbeiter in der Waldowallee, in den folgenden Jahren pegelte sich ihre Anzahl auf etwa 10 ein. 20 Jahre erschien das ‚ÄěMosaik‚Äú, obwohl es mehrere Male vor dem Aus stand. Es gab Grenzen ideologischer und inhaltlicher Art, weil das ‚ÄěMosaik‚Äú nicht genug ‚Äěauf Linie war‚Äú. Ab Herbst 1959 erschienen die Hefte nicht mehr im Verlag Neues Leben‚Äú, sondern wurde dem Verlag ‚ÄěJunge Welt‚Äú zugeordnet. Mit einer Auflage von 600.000 St√ľck monatlich war es eine der auflagenst√§rksten Zeitschriften in der DDR. Die Hefte waren im Nu vergriffen. Ihr Erfolgsrezept war die Verbindung von Unterhaltung, Abenteuer und Bildung. Zunehmende Meinungsverschiedenheiten zwischen Johannes Hegenbarth und dem Verlag √ľber die Ausrichtung der monatlich erscheinenden Hefte f√ľhrte dazu, dass er im November 1973 den Vertrag zu Mitte 1975 k√ľndigte. Die Zeichner zogen Anfang Januar 1975 aus dem Atelier in der Waldowallee aus und wechselten in das Verlagsgeb√§ude der ‚ÄěJungen Welt‚Äú. Sie waren abgeworben worden, um ein neues ‚ÄěMosaik‚Äú mit den Figuren Abrax, Babrax und Califax zu konzipieren und produzieren. Ab 1975 arbeitete Johannes Hegenbarth als freier Zeichner. Mit 55 Jahren wollte er sich auf keinen Fall zur Ruhe setzen. Er tat das, was er eigentlich sein Leben lag getan hatte - er zeichnete. Wie er sagte: ‚ÄěZeichenblock und Stift hatte ich eigentlich immer dabei, war quasi in st√§ndiger zeichnerischer Einsatzbereitschaft.‚Äú In seinem Nachlass finden sich hunderte dieser Zeichnungen, so aus dem nahen Tierpark, wo er sowohl die Tiere als auch die Besucher auf seinem Block festhielt. Das hatte er auch schon in den Jahren davor getan. Eine gro√üe Anzahl von Zeichnungen entstanden auch auf den vielen Reisen. Daraus konzipierte er St√§dte- und Landschaftsserie, wie z.B. √ľber den Spreewald oder √ľber Dresden. Doch seine eigentliche Lebensaufgabe war und blieb das ‚ÄěMosaik‚Äú. Es erschien fortan in einem von ihm √ľberarbeiteten Buchformat, zwei Auflagen davon auch in der Bundesrepublik Deutschland. Hannes Hegen h√§tte weitere Mosaik-Serien als Buch herausgegeben, doch bis 1990 wurde es ¬†ihm verwehrt. Nur als Dia-Serie erschienen die Ritter Runkel Abenteuer noch einmal. Nach dem Ende der DDR konnten ab 1991 im Buchverlag ‚ÄěJunge Welt‚Äú alle Mosaik-Reihen in Sammelb√§nden neu aufgelegt werden. Au√üerdem erschienen Reprintausgaben aller Mosaik-Hefte in 19 Sammelmappen. F√ľr Johannes Hegenbarth bedeutete das viel Arbeit. Nach dem Tod seiner Frau im Mai 2008 sah es dann als seine vordringliche Aufgabe an, sowohl ihren als auch sein k√ľnstlerischer Nachlass zu sichern. Er wollte ihn in Obhut eines Museums wissen, um zu verhindern, dass er auseinandergerissen und kommerziell ausgeschlachtet w√ľrde. Er w√§hlte daf√ľr das ‚ÄěZeitgeschichtliche Forum Leipzig‚Äú aus, das zur Stiftung ‚ÄěHaus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland‚Äú in Bonn geh√∂rt. Am 14. Juli 2009 unterzeichnete er die Schenkungsurkunde. Dort ging man sofort daran, f√ľr das Jahr 2012 eine gro√üe Ausstellung mit den Werken von Johannes Hegenbarth auf 450 Quadratmetern zu konzipieren. Aus Anlass des 85. Geburtstages des K√ľnstlers gab es im Foyer des Museums eine kleine Vorabschau zur Ausstellung, was Johannes Hegenbarth mit gro√üer Freude aufnahm. Eine Best√§tigung seines Lebenswerkes war dann die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im November 2010.

Am 16. Februar 2012 wurde die lang erwartete Ausstellung ‚ÄěDig, Dag, Digedag. DDR-Comic Mosaik‚Äú in Leipzig er√∂ffnet. Ein Krankenhausaufenthalt verhinderte seine Teilnahme, doch im April konnte Hannes Hegen ‚Äěseine‚Äú Ausstellung noch besuchen. Die Leipziger Ausstellung war in verkleinerter Form auch in Berlin und Dresden zu sehen. Auch wenn er nach einem Sturz in seinem Haus auf einen Rollstuhl angewiesen war, nahm er an diesen Er√∂ffnungen teil. Besonders begeisterte ihn die Nachricht, dass 2015 in der schw√§bischen Stadt Murrhardt erstmals in einer Ausstellung Arbeiten von Emanuel und Josef Hegenbarth gemeinsam mit einigen seiner Arbeiten gezeigt werden sollte. In Murrhardt ist sein 1923 verstorbener Gro√üonkel Emanuel Hegenbarth begraben. Die Er√∂ffnung dieser Ausstellung im M√§rz 2015 erlebte Johannes Hegenbarth leider nicht mehr. Er verstarb im Alter von 89 Jahren am 8. November 2014 in Berlin. Seine letzte Ruhest√§tte fand er neben seiner Frau auf dem evangelischen Friedhof Karlshorst.

 

 

Bildnachweis: Rainer Kruppa, geb. Hegenbarth

 

Quellen:

 Die drei Leben des Zeichners Johannes Hegenbarth - Aufgeschrieben von Bernd Lindner unter Mitarbeit von Irene Kahlau und Rainer Kruppa

TESSLOFF Verlag N√ľrnberg, 2015

Text zur Gedenktafel f√ľr Johannes Hegenbarth Museum Lichtenberg

Johannes Hegenbarth bei Wikipedia; Stand 15.10 2019