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Karlshorst – vom Vorwerk zum Ortsteil mit Weltgeltung

Als GrĂŒndungsdatum der „Colonie Carlshorst“ gilt der 25. Mai 1895. Der Name Carlshorst geht auf die seit 1825 regierungsamtliche Bezeichnung eines Vorwerks derer von Treskow in der heutigen Waldowallee zurĂŒck. Auf die Entwicklung des spĂ€teren Ortes hatte es aber nur einen geringen Einfluss. Karlshorst entstand vielmehr als “Reißbrett“-Siedlung“. Im MĂ€rz 1892 lagen die ersten ParzellierungsplĂ€ne von Oscar Gregorovius fĂŒr das Gebiet sĂŒdlich und nördlich der Eisenbauahnlinie und westlich der heutigen Treskowallee vor. Die fĂŒrstlichen Geldgeber fĂŒr das Projekt „Colonie Carlshorst“, teils auch Mitglieder des Vereins fĂŒr Hindernisrennen, der zeitgleich in Karlshorst eine Rennbahn errichten ließ, grĂŒndeten zur AusfĂŒhrung des Projektes im Jahre 1893 die HeimstĂ€tten-AG. Deren GeschĂ€fte liefen nur schleppend an. So wurde 1894 die Bauvereinigung Eigenhaus einbezogen. Diese hatte es sich zum Ziel gestellt, durch Kleinhausbau zur Überwindung der katastrophalen Wohnbedingungen in Berlin beizutragen. DafĂŒr gaben 1890 Kaiserin und Kaiser die Zusage, drei HĂ€user zu finanzieren. Die Bauvereinigung erhielt kostenfrei ein geeignetes GrundstĂŒck in der Kaiser-Wilhelm-Straße (Lehndorffstraße) gegenĂŒber dem EmpfangsgebĂ€ude fĂŒr die Allerhöchsten am Rennbahnhof. Nach Fertigstellung der „KaiserhĂ€user“ im April 1895 begann ein Bauboom. Die Colonie wuchs rasch. 1898 lebten 1.130 und 1911 ĂŒber 10.600 Menschen in Karlshorst. Das bedeutende Steueraufkommen floss in die Kasse der Gemeinde Friedrichsfelde. Kein Wunder, dass sich der Gemeinderat 1898 der Bildung einer eigenen Landgemeinde Karlshorst widersetzte. Einer NamensĂ€nderung in Landgemeinde Friedrichsfelde-Karlshorst stimmte er zu. 1906 entstand die selbstĂ€ndige evangelische Kirchgemeinde Karlshorst, die 1910 ihre eigene Kirche erhielt. Ein Jahr zuvor hatte bereits die katholische Kirchgemeinde ihr Pfarrhaus mit Kapelle erbaut. Bernhard Lichtenberg wirkte hier von 1905 bis 1910 als Seelsorger. Zwischen 1898 und 1910 entstanden zwei große Volksschulen, 1914 Lyzeum und Gymnasium, das nach 1920 als eine der bedeutendsten Höheren Schulen Preußens anerkannt wurde. Die erste wissenschaftliche Einrichtung war seit 1900/1901 das Laboratorium fĂŒr die Portland-Cement-Industrie. Mit der großen Verwaltungsreform 1920 wurde Karlshorst eigenstĂ€ndiger Ortsteil im Berliner Bezirk Lichtenberg. In die beschaulichen grĂŒnen Villen- und Landhaussiedlung zog es prominente KĂŒnstler und Politiker oder solche, die spĂ€ter dazu wurden. Hedwig Courths-Mahler und Hermann Duncker sind nur zwei Namen unter vielen.

Herausragende Architekturen entstanden: die Flugzeughallen mit freitragenden Stahl-Beton-Kuppeln auf dem Flugplatz Friedrichsfelde–Karlshorst (1917), das St. Antonius Krankenhaus, seinerzeit eine der modernsten Krankenanstalten Deutschlands (1930), das UFA-UrauffĂŒhrungs-Filmtheater (Favorit, Capitol, VorwĂ€rts, 1994 abgerissen), die „Waldsiedlung Lichtenberg“ von Peter Behrens. Die Hindernisrennbahn machte Karlshorst seit ihrer Entstehung deutschlandweit bekannt.

Der 8. Mai 1945 trug den Namen Karlshorst in alle Welt. Im Offizierskasino der Festungspionierschule, dem heutigen Deutsch-Russischen Museum, unterzeichnete die deutsche Wehrmacht die Urkunde ihrer bedingungslosen Kapitulation. Damit fand in Karlshorst der von Deutschland ausgegangene Weltkrieg in Europa sein Ende. In den Straßen von Karlshorst erinnern viele Gedenktafeln und Stolpersteine an die Opfer und Gegner des menschenverachtenden Hitlerregimes. 1945 bestimmte die Sowjetische FĂŒhrung Karlshorst zum Hauptsitz der Sowjetischen MilitĂ€radministration in Deutschland. Ein Teil von Karlshorst wurde zum Sperrgebiet erklĂ€rt, die Bewohner mussten ihre HĂ€user verlassen, die Kirchen wurden besetzt. Das Sperrgebiet war ein tiefer Einschnitt in der Karlshorster Geschichte. Dennoch entstanden in den nachfolgenden Jahrzehnten neue Wohngebiete, Volks- und Hochschulen, Großbetriebe und Kultureinrichtungen. 1948/49 entstand auf Veranlassung der SMAD der Theaterneubau am Bahnhof (heute Musikschule Lichtenberg). Sein Architekt war der renommierte Hans Schaefers. KĂŒnstler aus dem Bolschoi-Theater Moskau und die Peking-Oper gastierten hier. Ab 1966 sind die zuvor von der Sowjetarmee genutzten „Königs FestsĂ€le“ als Kulturhaus Karlshorst der Öffentlichkeit zugĂ€nglich. Hier tagte 1989/90 unter Beteiligung des GrĂŒndungsmitgliedes der SPD/Ost, Thomas KrĂŒger, der Runde Tisch Karlshorst. Seit 1990/1991 blĂŒht der Ortsteil im SĂŒden von Lichtenberg weiter auf. Davon kĂŒnden die zurĂŒckgekehrte Schönheit der alten BĂŒrgerhĂ€user, viele neue Wohnviertel und ein ĂŒberdurchschnittlicher Einwohnerzuwachs.

Michael Laschke
Geschichtsfreunde Karlshorst
Kulturring in Berlin e.V.