Unser Newsletter informiert regelmäßig über Veranstaltungen und Ausstellungen im Museum Lichtenberg. Tragen Sie sich → hier ein.

 

„Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen.“
Theodor Fontane

„Das hab ich an mir selbst erfahren und die ersten Anregungen zu diesen Wanderungen durch die Mark sind mir auf Streifereien in der Fremde gekommen. “

Dies geschieht, als Theodor Fontane von 1855 bis 1859 in London als Korrespondent arbeitet. Bei einer Fahrt über einen See in der schottischen Grafschaft Kinroß erscheint ihm Schloss Rheinsberg wie eine Fata Morgana und sein Entschluss reift, die Heimat zu durchqueren.

Auch unsere einstigen Dörfer Friedrichsfelde, Malchow und Falkenberg besucht der Schriftsteller. Er nimmt sie in seinen IV. Band „Spreeland“ auf.

 

Friedrichsfelde – „Charlottenburg des Ostends“

Ein Notizbuch ist sein ständiger Begleiter. Hier notiert er sich alle Geschichten und Begebenheiten. Am 18. Mai 1870 : „.. um 3 Uhr nachmittags Ausflug nach Friedrichsfelde und über Nacht in Begleitung von Carl von Treskow“.

„Wen ein Sommernachmittag ausnahmsweise vor die Tore der östlichen Stadtteile, beispielsweise nach Friedrichsfelde, führt, dem werden sich daselbst in Landschaft und Genre die gefälligsten und in ihrer heitern Anmut vielleicht auch unerwartetsten Bilder erschließen. Friedrichsfelde darf als das Charlottenburg des Ostends gelten, und allsonntäglich wandeln hunderte von Residenzlern hinaus...“

Über Prinz Ferdinands Leben in Friedrichsfelde notiert er:  „Prinz Ferdinand, der jüngste Bruder des großen Königs, hatte von 1744 an in Ruppin residiert... von 1756 bis 1763 war er ... im Kriegslager gewesen.“ Danach erwirbt erwirbt er Friedrichsfelde. „…mit einer Art von Ausschließlichkeit gehörte der Prinz von 1763 bis 1785 diesem anmutigen Lustschloss an... Wir haben also, von dem siebenjährigen Kriegsinterregnum abgesehen, vier Epochen im Leben des Prinzen Ferdinand zu unterscheiden: Ruppin, Friedrichsfelde, Bellevue, Rheinsberg, von denen die Friedrichsfelder Epoche die wichtigste und längste ist.“

Fontanes Wanderungen müssten eigentlich Fahrten heißen, denn er benutzt die Eisenbahn, reist mit dem Linienwagen der Post. Über seine Wanderung nach Malchow lesen wir: „Eine Wanderung nach Malchow, so kurz sie ist, gliedert sich nichtsdestoweniger in drei streng geschiedene Teile: Omnibusfahrt bis auf den Alexanderplatz, Pferdebahn bis Weißensee, und per pedes apostolorum bis nach Malchow selbst...“

Malchow – Eine Weihnachtswanderung

Das kleine Dörfchen Malchow wird durch Fontanes Geschichte von der „Weihnachtswanderung“ über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Am 18. Dezember 1878 unternimmt Fontane dorthin seine Wanderung und notiert: „Am 7. August 1704 verschied Paul von Fuchs, Geheimrat und Etatsminister, auf seinem Gute Malchow bei Berlin.…Der König pflegte ihn von dem nahe gelegenen Niederschönhausen aus häufiger auf diesem seinem Landsitze zu besuchen….Wer sich auf Urnen und Totenköpfe versteht und überhaupt nur ein Äderchen von einem Sammler oder Altertümler in sich hat, begreift, dass diese Notiz eine gewisse Malchow-Sehnsucht in mir wecken und eine Wanderung dahin zu einer bloßen Frage der Zeit machen mußte.“

Zu einem kleinen Geschichtsdokument des Alltags gerät die Beschreibung seiner Fahrt: „Alle Plätze voller Kinder mit Schulmappen auf den Rücken, und hinten und vorn im Wagen und vor allem obenauf ganze Büsche von Weihnachtsbäumen“.

Bei seiner Ankunft wird die Begegnung mit dem Schulmeister zu einer Milieustudie. Der weist den Besucher harsch mit dem Verweis ab, die Gruft des Freiherrn von Fuchs sei zugeschüttet. Alle weiteren Überredungsversuche, die Stelle nur sehen zu wollen, scheitern. Fontane resümiert sarkastisch: „Mein erstes war ein heißes Dankgefühl dafür, zu keiner Zeit, am wenigsten aber in der jetzigen, auf einer Malchower Schulbank gesessen zu haben; mein zweites: Haß und Rache.“ Sein Wunsch, den gesuchten Ort zu sehen, wird vom Pfarrer erfüllt. Freundlich bemüht wies der in die Luft und rief aus: „Hier war die Gruft…Hier war auch das Fuchssche Wappen… Es hatte durchaus etwas Gespenstisch - Visionäres, wie wenn Macbeth den Dolch sieht, und das bestimmt ausgesprochene ´hier´ ließ mich auf eine Sekunde ganz ernsthaft nach der Erscheinung suchen.“

Auch die damaligen Dörfer Falkenberg und Hohenschönhausen fanden Fontanes Aufmerksamkeit. Er erwähnt sie und den von Marie Elisabeth von Humboldt veranlassten Kirchumbau in Falkenberg ebenfalls in seinen „Wanderungen.“

Bärbel Plath/ Thomas Thiele

Quellen: Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg – Spreeland, Grosse Brandenburger Ausgabe, Berlin und Weimar, 1994
Theodor Fontane- Stationen eines Lebens, Autor: Bettina Machner, Stapp Verlag Berlin, 2012