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Person des Monats September

Rudolf Mandrella ‚Äď Jurist, wohnte in Berlin-Karlshorst in der K√∂nigswinterstra√üe 24, wurde vor 75 Jahren wegen seines Engagements gegen das NS-Regime ermordet

1902 - 1943

¬†Rudolf Mandrella wurde am 3. M√§rz 1902 in Auschwitz/Oberschlesien als √§ltester von vier Kindern als Sohn eines Eisenbahnassistenten geboren. Der Vater starb fr√ľh. Der Mutter fiel es schwer, sich allein mit den Kindern durchzuschlagen. In Ratibor, wohin die Familie umzog, besuchte Rudolf zun√§chst die Volksschule, sp√§ter das Gymnasium, das er 1920 mit dem Abitur abschloss. Er schloss sich der katholischen Jugendreformbewegung Quickborn an, die unter anderem Abstinenz, Kultur, Lebensfreude und eigenst√§ndige Lebensgestaltung zum Ziel hatte. Diese Ideale lebte er und er zeichnete sich auch durch eine tiefe Religiosit√§t und gro√üe Wahrheitsliebe aus. Nach dem Abitur war er als 17j√§hriger an den deutsch-polnischen Auseinandersetzungen als Freiwilliger im ‚ÄěSelbstschutz Oberschlesien‚Äú beteiligt, wobei ihm besondere Tapferkeit nachgesagt wurde.

An ein Universit√§tsstudium war wegen mangelnder finanzieller Mittel zun√§chst nicht zu denken. Notgedrungen entschloss sich Rudolf Mandrella, in den Zolldienst einzutreten. 1923, kurz nach seinem Zollsekret√§rsexamen, ging er auf Anraten von Freunden und G√∂nnern f√ľr ein Studium der Rechtswissenschaften und der Volkswirtschaft nach Berlin. Allerdings reichte die Unterst√ľtzung durch den Studentenseelsorger nicht aus, weshalb er zeitweilig im Stra√üenbau arbeitete. Trotz aller Schwierigkeiten legte er im November 1929 das Referendarexamen ab. Mit Auszeichnung bestand er im Juli 1933 die zweite juristische Staatspr√ľfung. Kurze Zeit sp√§ter wurde er Gerichtsassessor. Politisch engagierte sich Mandrella von 1930 bis zu ihrer Selbstaufl√∂sung im Sommer 1933 in der Zentrumspartei.

1936 heiratete er. Maria und Rudolf Mandrella hatten drei Jungen, die 1938, 1940 und 1941 geboren wurden. Eine Wohnung fand die Familie in Berlin-Karlshorst, in der Königswinterstraße 24. Rudolf Mandrella war am Amtsgericht in Berlin-Köpenick angestellt und wurde hier am 1. August 1939 zum Amtsgerichtsrat ernannt. Durch seinen Glauben geriet Mandrella zunehmend in Widerspruch mit der Naziideologie, besonders durch das Verbot und die Zwangsauflösung des Jugendbundes Quickborn im Jahr 1939.

Um einer Einberufung zur Wehrmacht zu entgehen, meldete sich Mandrella 1941 freiwillig zu Marine. Nach einer kurzen Ausbildung in Kiel wurde er im Juli 1941 nach Stettin versetzt. Hier wurde ihm eine Verwaltungsabteilung des ‚ÄěMarine-Waffen- und Ausbildungsbetriebes‚Äú unterstellt, wo er zum Marine-Intendanturrat bef√∂rdert wurde. In Berlin lie√ü er einen Kreis gleichgesinnter Freunde zur√ľck, bei denen er sich jederzeit aussprechen konnte. Solch einen Freundeskreis fand er auch im Stettiner Pfarrhaus. Sehr bald geh√∂rte er zu den tonangebenden Mitgliedern des Kreises um Kaplan Simoleit. Die Soldaten, die sich ab Sommer 1941 regelm√§√üig mittwochs bei ihrem Standortpfarrer trafen, vertrauten sich untereinander und auch ihrem Seelsorger. In dieser Gruppe redeten man offen √ľber die tats√§chliche Lage und √ľber Sorgen und Bef√ľrchtungen, die man hatte. Man sprach √ľber Berichte des Londoner Rundfunks und von Radio Vatikan, √ľber die zunehmende Unterdr√ľckung Andersdenkender und den damit verbundenen Terrorakten der Nazis. Die √Ąu√üerungen Mandrellas hatten in diesem Kreis ein besonderes Gewicht. Durch die Gestapo war ein Spitzel in den Kreis eingeschleust worden, der SS-Bewerber Franz Pissaritsch, der eigentlich auf den Provikar der Apostolischen Administratur Innsbruck, Dr. Carl Lampert, der in Stettin weilte, angesetzt war. In der Nacht vom 4. zum 5. Februar 1943 wurde Mandrella von der Gestapo verhaftet und am 6. M√§rz nach Berlin √ľberf√ľhrt, wo er in das Untersuchungsgef√§ngnis in der Lehrter Stra√üe kam.

Seine Verhandlung vor dem Reichskriegsgericht fand am 11. und 12. Mai 1943 in Dessau statt. Der 41j√§hrige Rudolf Mandrella wurde wegen Zersetzung der Wehrkraft zum Tode verurteilt. In der Urteilsbegr√ľndung stand unter anderem, der Angeklagte sei ein ‚Äěausgesprochener Gegner der nationalsozialistischen Weltanschauung und Staatsf√ľhrung‚Äú und habe ‚Äěin sch√§rfster Weise Ma√ünahmen der F√ľhrung auf politischem und milit√§rischem Gebiet‚Äú kritisiert. In Folge davon seien Soldaten in ihrem ‚ÄěGlauben an den Sieg schwankend‚Äú geworden. Mandrella wurde mit der Feststellung zitiert, es habe ‚Äěin der Geschichte keine √§hnliche Barbarei wie die jetzige deutsche Judenverfolgung‚Äú gegeben. Dies alles sei bei Zusammenk√ľnften katholischer Wehrmachtangeh√∂riger ge√§u√üert worden.

 

 

Nach der Verhandlung wurde er nach Berlin in das Gef√§ngnis in der Lehrter Stra√üe zur√ľckgebracht. Zu den Dingen, die er nach seiner Verurteilung bekam, geh√∂rten drei kleine Schreibhefte. Ab dem 17. Mai 1943, dem 102 Tag seiner Haft, begann er regelm√§√üig Tagebuch zu f√ľhren. Sein letzter Eintrag erfolgte am 25. August. Da umfasste sein Tagebuch mittlerweile mehrere Hefte.

Die Gnadengesuche Mandrellas und seiner Frau wurden abgelehnt. Am 28. August durfte Rudolf Mandrella noch einmal seine Frau sehen. Sechs Tage später wurde er zur Hinrichtung nach Brandenburg-Görden gebracht. Hier wurde ihm gestattet einen Abschiedsbrief an seine Frau zu schreiben. Er starb am 3. September 1943 unter dem Fallbeil im Zuchthaus Brandenburg-Görden.

In Berlin K√∂penick erhielt 1947 der fr√ľhere Kirdorf-Platz, an dem das Amtsgericht K√∂penick stand, den Namen Mandrellaplatz. Dort erinnert eine Gedenktafel an den aufrechten Katholiken. Die katholische Kirche hat Rudolf Mandrella als Glaubenszeugen in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen.

 

Bildquelle: Wikipedia, CC-BY-SA 3.0