Aufruf: Erinnerungsstücke gesucht.

Ihr seid Teil der Geschichte Lichtenbergs
Welchen Gegenstand aus eurem Besitz möchtet ihr zusammen mit einer Erinnerung als Leihgabe an das Museum Lichtenberg übergeben? Wir suchen Dinge aus eurer Lebensgeschichte, Familiengeschichte oder der allgemeinen Zeitgeschichte – Alltägliches, Persönliches oder Historisches. Die dazugehörigen Erinnerungen und Besonderheiten können schriftlich oder mündlich im Museum Lichtenberg übergeben werden.

Der Gegenstand wird nach der Übergabe im Museum zu sehen sein. Er darf das Maß von 30×30×30 cm nicht überschreiten.

Kontakt:
Archiv- und Sammlungsleiter
Dr. Dirk Moldt
030 57797388 18

 

Einige Beispiele für solche Erinnerungsstücke samt Geschichten, die dem Museum bereits anvertraut wurden, könnt ihr hier anhören.

 

Das Telefon

Die Erzählerin beschreibt die Geschichte eines Telekom-Tastentelefons aus den 80ern. Ihr Freund und sie, die in Prenzlauer Berg lebten und arbeiteten, verloren nach einem Umzug nach Hohenschönhausen den Kontakt. 1991 bekamen sie dank des Telefonanschlusses ihres Freundes wieder Verbindung. Nach dem Tod des Vaters des Freundes zog sie zu ihm, sie heirateten und lebten bis zum Tod ihres Mannes 2023 in Hohenschönhausen. Das Telefon, das damals die Distanz überbrückte, fand sie beim Aufräumen


Das Telefon - anhören

 

Dirty Dancing 

Der 1988er Film „Dirty Dancing“ war in der Bundesrepublik Deutschland ein großer Erfolg. Auch in der DDR wurde er ab Juni 1989 ein Kassenschlager, mit über 4,5 Millionen verkauften Karten. Die Autorin erinnert sich an ihren elften Geburtstag, zwei Tage nach dem Mauerfall, als sie den Film im Kino sah. Das Erlebnis führte dazu, dass sie mit ihrer Mutter nach West-Berlin fuhr, um das Begrüßungsgeld abzuholen. Im West-Berliner Kreuzberg entdeckte sie dann das Buch und die Musik zum Film, was einen persönlichen „Eintritt in den Kapitalismus“ markierte. Das Buch und die Musik spiegelten die Pubertätserfahrung wider.

 

Dirty Dancing - anhören

 

Zigarettenkippe 

Ein Berufsschüler erzählt im Hinkelpark von einem Gewaltfall auf dem Schulhof, als er zwölf Jahre alt war. Er raucht dabei eine LD-Zigarette und gibt sie am Ende des Gesprächs an die Museumsmitarbeiter weiter. Während eines Konflikts mit einem älteren Schüler legte er seine Zigarette ab und schlug zu. Nach kurzer Zeit lag der Gegner am Boden. Der Erzähler beendete seine Zigarette. Der Text betont die Alltäglichkeit von Schulgewalt und die Wichtigkeit von Hilfeangeboten wie Sozialarbeit, Schulpsychologen und der Telefonnummer gegen Kummer.

Eine Zigarettenlänge Gewalt - anhören

 

Taufhäubchen 

Ein zartes, 10 cm großes, handgenähtes Taufhäubchen aus weißem Spitzenstoff auf seidener Unterlage, umrandet von einem hellblauen Seidenband, wird von Frau Tschersich, 94 Jahre alt, an das Museum Lichtenberg gespendet. Es gehört ihrem Vater, der 1899 in Peterswaldau geboren wurde und 1900 getauft wurde. Das Häubchen, ein Familienerbstück, überlebte den Krieg und die Flucht der Familie aus Schlesien. Ihr Vater, Bankkaufmann, wurde 1945 im Volkssturm verletzt, und die Familie erlebte die Plünderung ihrer Wohnung durch sowjetische Soldaten. Das Taufhäubchen blieb unversehrt. Nach dem Umzug nach Berlin und dem späteren Auszug der Eltern in den Westen, bewahrte Frau Tschersich das Häubchen als Andenken an ihren Vater. Sie spendet es nun dem Museum, da sie befürchtet hatte, dass es nach ihrem Tod verloren gehen würde.

 

Das Taufhäubchen - anhören

 

Elastikbinde 

Am 5. Juni 2023 übergab ein Mann, der am gleichen Tag aus dem Sana-Klinikum Lichtenberg entlassen wurde, eine unbenutzte, beige Elastikbinde (1,50 m lang, 12 cm breit) an das Museum. Drei Wochen zuvor war der wohnungslose Philosoph aus Namibia auf der Straße zusammengebrochen und ihm wurde sein Rucksack gestohlen. Im Krankenhaus wurde bei ihm neben den Folgen seines Sturzes auch eine Virusinfektion festgestellt. Die Klinik behandelte ihn drei Wochen lang und er fühlte sich dort zum ersten Mal als Mensch wahrgenommen. Er war beeindruckt von der menschlichen Hilfe im Krankenhaus und übergab die Binde als Zeichen der Dankbarkeit für die Fürsorge.

Ein Zeichen der Menschlichkeit - anhören

 

1000 kleine Dinge - anhören und sich selbst ein Bild machen. Oder Dinge hinzufügen.

 

Das Projekt wurde von der Performancegruppe K.I.E.Z. ToGo begleitet.

www.kieztogo.de

 

 Grafik: Marcel Backscheider, Zeichnung: Hanna Zeckau

Foto: Peter Thieme 2024, Regal für Erinnerungsstücke